19.10.2018: Thüringer Allgemeine: Immense Schäden

Immense Schäden an deutschen Wäldern – Forstleute wollen 10.000 neue Stellen

Stürme, Brände und der Borkenkäfer setzen den deutschen Wäldern zu. Der Bund deutscher Forstleute fordert deshalb die Schaffung von 10.000 zusätzlichen Stellen.
Der Bund deutscher Forstleute traf sich am Freitag in Erfurt. Foto: Bernd JentschDer Bund deutscher Forstleute traf sich am Freitag in Erfurt. Foto: Bernd Jentsch

Erfurt. Angesichts der immensen Schäden an deutschen Wäldern durch Stürme, Waldbrände und dem Borkenkäferbefall fordert der Bund deutscher Forstleute die Schaffung von 10.000 zusätzlichen Stellen. Nur auf diese Weise ließen sich die Schäden zumindest eindämmen, sagte Ulrich Dohle, Bundesvorsitzender des Bundes am Freitag in Erfurt.

Allein in diesem Jahr sind nach seinen Angaben an den Wäldern Schäden in einem Umfang von zwei Milliarden Euro entstanden. 600 Waldbrände hätten eine Fläche von 2500 Hektar vernichtet.

Bernd Jentsch / 19.10.18

28.09.2018: Holzzentralblatt: Doppelzuständigkeit der Forstbehörden ist rechtsstaatlich unzulässig!

42792867_895191200679017_3112021719431249920_o

22.09.2018: Die Welt: Eine Dürre, wie es sie noch nie gab

Von Kathrin Reisinger

Im Sommer sind die Böden in Deutschland immer wieder regional zum Teil stark ausgetrocknet. In diesem Jahr hat ihnen die Dürre jedoch besonders stark zugesetzt, zeigt ein Vergleich über die Jahre

 

Deutschland ist ausgetrocknet. Darunter leiden nicht nur Tiere und Pflanzen. Der volkswirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden. Und für die Zukunft erwarten Wissenschaftler noch häufigere Dürreperioden. Was tun?
Es war der Sommer unseres Lebens. So lang, so heiß, so trocken wie keiner zuvor. Jetzt ist die große Hitze vorbei, doch nach wie vor herrscht Dürre in Deutschland. Eine Dürre, wie es sie seit Beginn der Aufzeichnungen in unserem Land noch nie gegeben hat. Die Schattenseiten des schönen Wetters zeigen sich seit Monaten: ausgetrocknete Flüsse, verdorrte Felder, Wald- und Flächenbrände, aufgeplatzte Straßen, verformte Gleise, umgekippte Seen.

Züge und Schiffe konnten nicht verkehren, Fassaden in Städten bröckeln, Klimaanlagen sind ausverkauft, Kühe werden notgeschlachtet. Der volkswirtschaftliche Schaden geht in die Milliarden.

Hitze und Dürreperioden, aber auch Stark- und Dauerregen samt Stürmen werden in den kommenden Jahren zunehmen. Da sind sich die Wissenschaftler einig. Betroffen werden alle Bereiche sein: Häuser, Wohnungen und Büros, die Straßen, der Luft- und Schienenverkehr, Industriebetriebe, Landwirtschaft und die Tourismusbranche.

Doch muss Deutschland dem nicht hilflos entgegensehen. Noch lässt sich etwas tun. In den unterschiedlichsten Branchen arbeiten Experten an Maßnahmen, die die Folgen der extremen Wetterlagen abmildern sollen – und die unser aller Leben in den kommenden Jahrzehnten verändern werden.

95 Prozent Deutschlands leiden unter einer Dürre

Trockene Phasen hat es zwar zu allen Zeiten gegeben. Doch je mehr sich die Erde erwärmt, desto häufiger werden Extremwetter. Wissenschaftler unterscheiden zwischen meteorologischer, agrarischer, hydrologischer und ökonomischer Dürre. Meteorologische Dürre bedeutet, dass es zu wenige Niederschläge gibt. Agrarisch, dass die Böden außergewöhnlich austrocknen. Hydrologisch, dass Flüsse und Seen Niedrigstwasser führen und ökonomisch, dass Industriebetriebe und Infrastruktur darunter leiden. „Wir haben derzeit alles gleichzeitig“, sagt Andreas Marx, Leiter im Klimabüro am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung.

Anfang September lagen über 95 Prozent Deutschlands unter einer Dürre. Nach einem feuchten Januar gab es ab Mitte Februar nur noch rund 60 Prozent des normalen Niederschlags. In Kombination mit der Hitze ab April verdunsteten dann drei bis vier Liter Wasser je Quadratmeter und Tag. In Leipzig beispielsweise gab es 30 Tage mit über 30 Grad Lufttemperatur. Statistisch sind nur sieben solcher Tage zu erwarten.

LESEN SIE AUCH

Dürreähnliche Zustände werden begünstigt, wenn überdurchschnittlich hohe Temperaturen, viele Sonnenstunden und zu wenig Regen zusammenkommen – und das über einen Zeitraum von Monaten. Das ist bei sogenannten blockierenden Hochs über Skandinavien der Fall. Dabei wird der nordatlantische Einfluss auf die Witterung über Mitteleuropa abgeschwächt.

Da sich die Arktis und die Kontinente der Nordhemisphäre derzeit überdurchschnittlich stark erwärmen, vermuten Klimaforscher, dass solche Extremwitterungsperioden in Zukunft häufiger auftreten werden. Je wärmer es auf der Nordhalbkugel wird, desto häufiger entstehen blockierende Hochs.

Marx erwartet, dass sich die weltweite Durchschnittstemperatur schon in den nächsten 35 bis 40 Jahren um rund drei Grad Celsius erwärmen wird. Ein großer Teil der Erdoberfläche ist von Meer bedeckt, über dem es meist kühler ist – über Landflächen dagegen wärmer, sodass die Entwicklung für Deutschland sogar einen Anstieg von mehr als drei Grad bedeuten könnte. Das bedeutet 60 Prozent mehr Trockenheit und auch längere Phasen von Dürre. „Der Klimawandel ist ein Zug, in dem wir bereits sitzen – und der fährt“, sagt der Wissenschaftler.

 

Auch das Risiko für Überschwemmungen steigt

Peter Hoffmann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung (PIK) warnt: „Bereits jetzt beobachten wir, dass Großwetterlagen über Europa länger andauern. Damit steigt nicht nur das Risiko für Dürren, sondern auch für Stark- und Dauerregen.“ Hitze und Trockenheit sowie Starkregen und Überschwemmungen seien die beiden Kehrseiten ein und derselben Medaille. Die Kombination aus länger andauernden Großwetterlagen und warmer Luft ließen an einem Ort die Verdunstung und anderenorts die Intensität der Regenmengen steigen.

Während also die einen mit Ernteausfällen, Fischsterben und Waldbränden wegen Trockenheit zu tun haben, stehen bei anderen ganze Ortschaften unter Wasser. Schlammlawinen reißen alles mit, Häuser sind einsturzgefährdet.

ARCHIV - 02.07.2018, Niedersachsen, Hannover: Eine Spaziergängerin steht vor der untergehenden Sonne am Kronsberg. In Hannover wurden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bereits Anfang Juli mehr sommerliche Tage verzeichnet als im gesamten Jahr 2017. An Sommertagen steigt das Thermometer über 25 Grad Celsius. (zu dpa vom 06.07.2018) Foto: Julian Stratenschulte/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die Auswirkungen der Dürre von 2018 hat das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology des Karlsruher Instituts für Technologie untersucht. Sie zeigen sich am stärksten in der Landwirtschaft. Der Deutsche Bauernverband bilanziert eine Getreideernte von 35,6 Millionen Tonnen – 26 Prozent weniger als in den letzten fünf Jahren. Hinzu kommen Einbußen bei Kartoffeln, Zuckerrüben und beim Grundfutter für die Tiere. In einigen Regionen gibt es Verluste zwischen 50 und 70 Prozent bis hin zu Totalausfällen.

„Die Milchviehhalter verfüttern bereits ihre Wintervorräte und müssen zusätzlich teures Futter kaufen. Bundesweit wurden Futterbörsen organisiert, doch auch dort werden Futtermittel immer knapper“, sagt Präsident Joachim Rukwied. Auch beim Mais werden riesige Einbußen erwartet. Viele Milchviehalter bauen jetzt ihre wertvollen Bestände ab. Der Markt für Schlachtkühe ist deshalb unter Druck. Die Preise fallen. Schlachtrinder haben innerhalb von vier Wochen elf Prozent an Wert verloren. Auch die Milchanlieferung ist deutlich zurückgegangen.

„Mit Blick auf die nächste Ernte müsste in diesen Tagen die Rapsaussaat erfolgen. Eine Aussaat in staubtrockene Böden ist jedoch zwecklos“, sagt Rukwied. Hier droht bereits der Ausfall fürs nächste Jahr. Einzig der Weinanbau profitiert von den Folgen der Hitze, unter anderem, weil die Weinlese viel früher als erwartet stattfinden kann.

Bauern probieren neue Verfahren aus

Um die Folgen der drohenden Wetterextreme abzumildern, hat der Bauernverband eine neue „Ackerbaustrategie“ verabschiedet. Die Landwirte erproben Verfahren, um den Boden schonender bearbeiten zu können: etwa durch die sogenannte Mulchsaat ohne Pflug, bei der Pflanzenreste nach der Ernte liegen bleiben, um den Boden vor Erosion zu schützen. Die Fruchtfolge soll vielfältiger werden, was bedeutet, dass nacheinander unterschiedliche Pflanzenarten auf einem Acker angebaut werden.

ARCHIV - 06.08.2018 Sachsen, Ballendorf: Eine Kuh versucht, auf einer völlig vertrockneten Weide etwas Futter zu finden. (Zu dpa «Wetterdienst: Hitze-Sommer zeigt Bedeutung von Klimaanpassung»)we Foto: Jan Woitas/ZB/dpa +++ dpa-Bildfunk +++Erinnert an eine Halbwüste, ist aber Sachsen: Kuh auf einer vertrockneten Weide

Quelle: dpa

Zwischen den einzelnen Anbauphasen werden sogenannte Zwischenfrüchte angebaut, die auch als Gründünger dienen können. Gedüngt werde in Zukunft noch präziser, sagt Generalsekretär Bernhard Krüsken. Man brauche aber auch neue Züchtungsmethoden, um schneller an trockenheits- und hitzetolerante Pflanzen zu kommen.

 

Alles das ist dringend notwendig. Dass das Wasser in den Leitungen knapp wird, ist im Normalfall nicht zu befürchten. Denn Grundwasserspeicher und Talsperren werden durch Regenfälle im Winterhalbjahr gespeist. Aber wenn sich die Vegetationsperiode nach vorne verschiebt, brauchen die Pflanzen mehr Wasser. Wenn auch im Winter zu wenig Regen fällt und ein Sommerhalbjahr wie dieses folge, könnte es im Ausnahmefall eben doch zu Engpässen in den Leitungen und möglichen Rationierungen kommen, sagt Klimaforscher Hoffmann. Schon in diesem Sommer haben zahlreiche deutsche Orte die Wasserentnahme aus Flüssen und Seen verboten.

Denn diese führen extrem wenig Wasser, sind zum Teil sogar ausgetrocknet. Die Folge war ein großes Fischsterben. Einerseits weil das Wasser sehr warm wurde und viele Fischarten mit Hitze nicht gut klarkommen. Andererseits weil warmes Wasser weniger Sauerstoff aufnimmt und durch die Hitze zudem Algen prächtig gedeihen. Diese produzieren zwar Sauerstoff, verbrauchen aber auch welchen – sodass den Fischen zu wenig bleibt. Aus einigen deutschen Seen wurden tonnenweise tote Fische gezogen, Fischzüchter melden Ausfälle. In die Flüsse Nordbayerns wurdezum Teil schon Wasser aus Seen geleitet, damit sie sich nicht so stark aufheizen.

Aber auch weniger naturnahe Bereiche sind von großer Hitze und Trockenheit betroffen. Etwa der Verkehr. Da ist einerseits die Schifffahrt. Auf dem Rhein, der wichtigsten Wasserstraße Deutschlands, können Schiffe wegen des niedrigen Wasserstands derzeit meist nur noch mit Teilbeladung fahren. Das behindert insbesondere den Transport von Erz, importierter Kohle für die Stromerzeugung und Baustoffen.

Auch Verkehrswege durch Trockenheit geschädigt

Auf der Ober- und Mittelelbe und der Oder waren Ende Juli gar keine Transporte mehr möglich. Auch Ausflugsschiffe für Touristen konnten nicht ablegen. Da die einzelnen Schiffe weniger transportieren, mussten Industriegiganten wie ThyssenKrupp und BASF mehr Schiffe fahren lassen. In solchen Fällen muss – neben den steigenden Kosten durch den Einsatz von mehr Schiffen – ein sogenannter Kleinwasserzuschlag gezahlt werden. Nun prüfen Konzerne, Transporte stattdessen auf Lkw und Güterzüge zu verlagern.

Aber auch Straßen und Gleise sind vor einem extremen Sommer nicht gefeit. Bei großer Hitze hat sich der Asphalt verformt – auf vielen Autobahnen sind Spurrillen entstanden, Streckenabschnitte mussten gesperrt werden. Verformte Gleise und Böschungsbrände sorgten bei der Bahn zusätzlich für Ausfälle und Umleitungen. An Flughäfen kam es zu Ausfällen wegen Beschädigungen der Start- und Landebahnen.

Es gibt bereits Konzepte, um solchen Problemen vorzubeugen – sie werden allerdings noch nicht flächendeckend angewandt. Auf Straßen können zum Beispiel Entspannungsstreifen angelegt werden. Dazu wird der Beton teilweise abgefräst und Asphalt aufgetragen, damit sich die Betonteile bei Hitze besser ausdehnen können. Beim Gleisbau werden derzeit noch hauptsächlich durchgehend verschweißte Schienen auf Schotterbau verwendet. Diese können sich bei großer Hitze leicht verformen.

Eine Alternative wären Stoßlückengleise, die nicht durchgehend verschweißt sind. Stattdessen werden sie mit einer Lasche zusammengeschraubt und haben dadurch weniger Zug- und Druckspannung. Stoßlückengleise haben jedoch einen großen Nachteil: Der Fahrkomfort für die Passagiere ist auf ihnen deutlich schlechter, und ihr Erhalt ist viel aufwendiger als bei den herkömmlichen verschweißten Gleisen.

Insgesamt, sagt der Potsdamer Klimaforscher Hoffmann, sei Deutschland noch zu wenig an den Klimawandel angepasst. Das zeigten die Extreme der vergangenen Jahre. Jeder Sektor müsse sich auf extremere Witterungsperioden einstellen.

Besonders dramatische Folgen drohen den Energieerzeugern. Bereits in diesem Jahr wurden Kraftwerke wegen der hohen Wassertemperaturen im Rhein angewiesen, dem Fluss weniger Kühlwasser zu entnehmen. Wenn aus diesem Grunde konventionelle Kraftwerke heruntergefahren werden müssten und zudem Stromleitungen durch Stürme beschädigt würden, entstünden volkswirtschaftliche Schäden, warnt Claudia Kemfert. Sie ist Abteilungsleiterin Energie, Verkehr, Umwelt beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Szenarien zeigen, dass ein unbegrenzter Klimawandel bis Mitte des Jahrhunderts volkswirtschaftliche Schäden von bis zu einem Prozent des Bruttosozialprodukts auslösen könnte.

Experten arbeiten darum nicht nur am Ausbau von erneuerbaren Energien. Sie versuchen auch, den Stromverbrauch insgesamt zu senken, und entwickeln etwa moderne, energiesparende Gebäude. „Die kluge Energieversorgung von Gebäuden umfasst einerseits eine ausreichende Isolierung, andererseits werden Gebäude der Zukunft mehr Energie produzieren, als sie verbrauchen“, erklärt Kemfert. Um dieses Ziel zu erreichen, werden verschiedene Maßnahmen ausprobiert. So erzeugen Solarpanels Energie aus der Sonne. Begrünte Fassaden und Dachgärten sorgen dafür, dass das Haus im Sommer kühler bleibt. Pflanzen produzieren außerdem Sauerstoff und filtern Feinstaub aus der Luft – ein praktischer Nebeneffekt.

Die deutschen Städte werden sich auf stärkere Extremwetter vorbereiten müssen als die Dörfer. Versiegelte Flächen heizen sich stärker auf und kühlen weniger schnell wieder ab. Zudem können sie keine großen Wassermengen aufnehmen, sodass aus einem starken Regenguss schnell eine Überschwemmung wird.

Die Experten vom Karlsruher Institut für Technologie empfehlen neben der Begrünung von Dächern und Fassaden höhere Subventionen für Elektroautos sowie autofreie Zonen. All das trage dazu bei, das Klima positiv zu beeinflussen und Extreme abzumildern. Das Auto ist nämlich für einen großen Teil des Ausstoßes von Kohlendioxid verantwortlich. Etwa ein Fünftel des Klimagases, das in Deutschland in die Atmosphäre geblasen wird, kommt aus einem Auspuff.

Neue Technologien können nicht alles richten. Jeder Einzelne, sagen Wissenschaftler, müsse seine Konsumgewohnheiten ändern. Denn auch bei der Herstellung von Gütern entsteht viel Kohlendioxid. Man sollte also möglichst wenig wegwerfen, weniger fliegen und Auto fahren und nicht unnötig Strom verbrauchen. Wenn wir künftige Supersommer genießen und sie uns weder durch immer stärkere Dürren noch durch immer höhere Fluten vermiesen lassen wollen, muss jeder sein Verhalten überdenken.

20.09.2018: Demonstration im Rahmen der Agrarministerkonferenz in Bad Sassendorf

  • Waldbrand

DIE WALDEIGENTÜMER PROTESTIEREN – DEMONSTRATION UND WALDBEGEHUNG IN BAD SASSENDORF

Die Waldeigentümer haben die Auswirkungen der Dürre stark zu spüren bekommen. Baumsterben, Schädlinge und Waldbrände haben die Wälder schwer beschädigt. Daher fordern die Waldeigentümer Unterstützung und Hilfen von Bund und Ländern.

Um ihre Forderung zu bekräftigen, ruft die AGDW – Die Waldeigentümer für den 27. September 2018 zu einer Demonstration in Bad Sassendorf anlässlich der dort stattfindenden Agrarministerkonferenz auf.
Darüber hinaus möchten wir Pressevertreter zu einer Waldbegehung einladen, um ihnen die Schäden zu zeigen.

Die Demonstration startet am Donnerstag, 27. September 2018 um 10.00 Uhr am Parkplatz an der Soletherme, Gartenstraße 26, 59505 Bad Sassendorf.
Parallel sind Pressevertreter herzlich zu einer Waldbegehung in der Nähe von Bad Sassendorf eingeladen. Die Waldbegehung startet ebenfalls um 10.00 Uhr am Parkplatz an der Soletherme. Danach gibt es die Möglichkeit für Interviews, O-Töne und Bilder auf der Demonstration.

An den Kundgebungen werden AGDW-Präsident Philipp zu Guttenberg, und Dr. Philipp Heereman, Vorsitzender des Waldbauernverbandes NRW, teilnehmen.

14.09.2018: Top Agrar Online: Dramatische Schäden durch Dürre und Käfer!

Waldschäden durch Dürre und Borkenkäfer dramatischer als nach Kyrill!

Förster und Waldbauern schlagen Alarm: Nach dem Dürresommer 2018 gibt es eine Massenvermehrung des Borkenkäfers. Im WDR erklärte Förster Peter Sondermann am Mittwoch, dass viele Bäume zwar noch gesund aussähen, aber in Wahrheit so stark geschädigt seien, dass sie möglichst schnell gefällt werden müssen.

von Alfons Deter

Geschädigte Fichte (Bildquelle: Wald und Holz NRW)

Förster und Waldbauern schlagen Alarm: Nach dem Dürresommer 2018 gibt es eine Massenvermehrung des Borkenkäfers. Im WDR erklärte Förster Peter Sondermann am Mittwoch, dass viele Bäume zwar noch gesund aussähen, aber in Wahrheit so stark geschädigt seien, dass sie möglichst schnell gefällt werden müssen. In wenigen Tagen würden die ausgewachsenen Käfer zu schwärmen beginnen und dann Eier für die dritte Generation in diesem Jahr legen

Die Waldbauern fordern nun finanzielle Hilfen. Denn wegen der Flut an Borkenkäfern erwarten sie Schäden, wie seit dem Jahrhundertsturm Kyrill nicht mehr, so der Fachmann gegenüber dem Sender weiter. Da die befallenen Bäume möglichst schnell gefällt werden müssen, werde das ohnehin schon übergroße Angebot auf dem Holzmarkt weiter wachsen und die Preise fallen lassen. “Vielen Waldbesitzern droht daher einer großer Verlust”, so Peter Sondermann. Daher seien Hilfen notwendig für die Wiederaufforstung oder für Lagerplätze, auf denen Stämme schädlingssicher liegen können, bis die Holzpreise wieder steigen.

Umweltministerin Ursula Heinen-Esser sagte dazu laut Wald und Holz NRW: “Nach den Stürmen und dem Hitzestress ist jetzt der Borkenkäfer eine Bedrohung für die Fichtenbestände in Nordrhein-Westfalen. Hier müssen wir kurzfristig handeln, zugleich aber auch mittel- und langfristig vorsorgen. Ziel unseres Waldbaukonzeptes ist es, den Wald klimafit und weniger anfällig auszubauen. Entscheidend ist dabei die richtige Mischung klimaangepasster Arten.”

–> Pressemitteilung Wald und Holz

Millionenschäden auch in Thüringen

Borkenkäferlarven (Bildquelle: Wald und Holz NRW)

Ähnliche Meldungen gibt es unterdessen auch aus Thüringen. Allein im August sollen Borkenkäfer wie Buchdrucker und Kupferstecher landesweit rund 230.000 Festmeter Holz zerstört haben, meldet der MDR.  Thüringenforst spreche von einem besorgniserregenden Ausmaß, vor allem im Osten Thüringens mit seinen fichtenreichen Wäldern. So sei der Befall im August bereits doppelt so intensiv gewesen wie im sogenannten Jahrhundertsommer 2003. Damals waren 110.000 Festmeter vom Borkenkäfer befallen gewesen. Schätzt man den Stehendbefall der Monate September und Oktober, so müsse von rund 600.000 Festmeter Käferholz im Freistaat bis zum Jahresende 2018 ausgegangen werden, sagte Horst Sproßmann, Sprecher von Thüringenforst, dem Sender. 

Das bedeute für die Thüringer Waldbesitzer allein im Bereich des sogenannten Käferholzes Verluste im zweistelligen Millionenbereich. Sproßmann geht derzeit von 16,8 Millionen Euro aus. Zusammen mit den Dürre- und Sturmschäden schätzt Thüringenforst den Schaden in einer vorläufigen Bilanz auf 115 Millionen Euro in den Thüringer Wäldern.

ThüringenForst verstärkt den Pflanzenschutzmitteleinsatz

 

Käferbäume, eingeschlagen, entastet und am Forstweg gepoltert: Damit keine Käfer, die sich unter der Rinde verstecken, ausfliegen und umliegende von der Trockenheit geschwächte Fichten befallen, werden die Polter mit Pflanzenschutzmittel behandelt. Bei Kontakt stirbt der Borkenkäfer. (Bildquelle: Dr. Horst Sproßmann)

Wie ThüringenForst auf seiner Homepage weiter berichtet, setze man in diesem Jahr vermehrt Pflanzenschutzmittel ein, um die weitere Ausbreitung des Fichtenborkenkäfers zu bremsen. Die Fichte sei mit fast 40 % Anteil nicht nur wichtigster Waldbaum im Freistaat, sondern auch Charakterart des Thüringer Waldes. Waldbesucher müssten verstärkt mit Pflanzenschutzmittel behandelten Holzpoltern entlang der Forstwege rechnen. 

ThüringenForst empfiehlt, in den nächsten Wochen konsequent das Betretungsverbot von Holzpoltern zu beachten. Die gesetzlich zugelassenen, zertifizierungskonform angewandten Pflanzenschutzmittel sind gesundheitlich unbedenklich.

„Die Fichte wird den Kampf gegen den Borkenkäfer ohne zusätzliche Vorsorge- und Schutzmaßnahmen vielfach nicht schaffen. Die Trockenheit setzt den Bäumen so extrem zu, dass die Abwehrkräfte vieler Fichten gegen Null tendieren“, so Volker Gebhardt, ThüringenForst-Vorstand. So zeigten befallene Fichten teilweise überhaupt keinen Harzfluss mehr, mit dem der Baum einen Käferangriff bei ausreichender Wasserversorgung ansonsten abwehren kann.

Laut Gebhardt kommen nur zugelassene Pflanzenschutzmittel zum Einsatz, die auf Ökosystemverträglichkeit geprüft wurden. Die Ausbringung erfolgt durch fach- und sachkundiges Personal, das intensiv im Vorfeld geschult wurde. Zusätzlich wacht mit der freiwilligen PEFC-Zertifizierung ein „Wald-TÜV“ über den gesamten Staatswald, der alle forstbetrieblichen Maßnahmen genauestens überprüft.

29.08.2018: Die Waldeigentümer: Der Wald ist massiv von Dürreschäden betroffen!

  • Holzlager_im_Wald_Kiefer

ZU GUTTENBERG: WALD IST VON DÜRRESCHÄDEN MASSIV BETROFFEN

Jahrhundertkatastrophe im deutschen Wald: Nach Orkanen und Stürmen haben Hitze und Trockenheit den Waldeigentümern zugesetzt / AGDW–Präsident zeigt Unverständnis über fehlende Hilfen durch Bundesregierung

Bei der finanziellen Unterstützung durch die Bundesregierung auf Grund der Dürreschäden wurden die Waldeigentümer ignoriert. Philipp zu Guttenberg, Präsident der AGDW – Die Waldeigentümer, zeigt Unverständnis darüber, auch weil dem zuständigen Ressort konkrete Meldungen über die Schäden in den Wäldern vorliegen.

„Unsere Wälder sind ebenso wie die Acker- und Grünlandflächen massiv von den Dürreschäden betroffen“, sagte zu Guttenberg, „diese Schäden aber wirken in der Forstwirtschaft mit all ihren Folgen noch viele Jahre nach“. Im Gegensatz zur Landwirtschaft liegen die Produktionszeiträume hier bei Zeiträumen zwischen 100 und 200 Jahren. Unzählige Aufforstungen müssen im nächsten Jahr wiederholt werden, Schädlinge lassen bereits heute die durch Trockenheit gestressten Bäume absterben und die Zuwachsverluste können erst nach Ende der Vegetationszeit analysiert werden.

„Die Forstwirtschaft hat besonders unter der Hitze und Trockenheit gelitten, weil die gleichen Wälder, die bereits durch die Stürme der letzten Jahre erheblich geschädigt wurden, heute vertrocknen“, sagte der AGDW-Präsident. Während in der Vergangenheit oft Nadelhölzer betroffen waren, sind in diesem Sommer auch die Laubhölzer schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Viele Laubbäume verlieren bereits in diesen Wochen ihre Blätter. Ob sie im nächsten Jahr wieder austreiben ist ungewiss. Dies führt zum Teil zu flächigem Absterben der Wälder. „Die Kombination verschiedenster Schadereignisse, die allesamt auf den Klimawandel zurückgeführt werden können, ist einmalig. Deshalb muss von einer Jahrhundertkatastrophe im deutschen Wald gesprochen werden“, betont der AGDW-Präsident.

Durch den zusätzlichen Kollaps des Holzmarktes haben die Waldeigentümer massive Ertragsausfälle zu beklagen. Der notwendige Waldumbau zur Anpassung an den Klimawandel kommt durch das Absterben der forstlichen Kulturen ins Stocken. Diese finanziellen Folgen können die Waldeigentümer nicht allein tragen, zahlreiche Betriebe sind im Fortbestand bedroht. Realistische Schätzungen liegen bei mehreren Milliarden Euro. Mit der Schwächung der Wälder stirbt nicht nur die Holzproduktion, es gehen auch die vielfältigen Erholungs- und Schutzleistungen des Waldes verloren.

„Mit unserem Wald darf nicht nur schöne Wohlfühlpolitik gemacht werden. Es erwachsen dem zuständigen Ministerium und der Politik auch Verantwortungen, die wir dringend einfordern“, sagte zu Guttenberg.

Die AGDW – Die Waldeigentümer erwartet von der Politik konkrete Handlungen, damit die Waldeigentümer mit den Folgen des Klimawandels nicht allein gelassen werden:

  1. Zunächst sind einerseits schnelle finanzielle Nothilfen für den Wald, die Aufarbeitung der Schäden und für den Holzschutz notwendig.
  2. Des Weiteren müssen unbürokratisch und schnell Holzlagerplätze geschaffen werden.
  3. Als dritte Sofortmaßnahme fordert die AGDW einen Aufruf zu einem bundesweiten Einschlagstopp für Frischholz, um die Märkte zu entlasten.

Neben diesen dringenden Sofortmaßnahmen erfordern die langen Produktionszeiträume der Forstwirtschaft auch langfristige Hilfsmaßnahmen durch die Politik. Zu Guttenberg: „Es kommt darauf an, alle Waldfunktionen für die Zukunft zu sichern und den Wald an die sich schnell ändernden klimatischen Verhältnisse anzupassen.“ Dazu ist es wichtig die Waldeigentümer bei ihrem Risikomanagement zu unterstützen, um sich auf den Klimawandel besser vorzubereiten. Probate Mittel wären hierbei u.a. steuerlich unschädliche Risikorücklagen und vor allem die schnelle Reform des Forstschädenausgleichsgesetzes.

22.08.2018: BDF Ticker 2/2018-Telefonkonferenz mit dem BKartA

Gestern Nachmittag fand eine mehr als einstündige Telefonkonferenz zwischen dem Bund Deutscher Forstleute Landesverband Nordrhein –Westfalen (BDF NRW), vertreten durch Herrn Fred Josef Hansen und Herrn Richard Nikodem, mit dem Leiter der Beschlussabteilung I des Bundeskartellamtes (BKartA) Herrn Dr. Markus Wagemann und der Beisitzerin der Beschlussabteilung I Frau Dr. Martina Schulze statt.

In offener Atmosphäre wurde die nach dem BGH-Urteil vom 12.06.2018 zum Kartellverfahren gegen das Land Baden-Württemberg jetzt in Nordrhein-Westfalen entstandene Situation analysiert. Der BDF NRW Vorstand nutzte die Möglichkeit, offene Fragen zu klären, mit Gerüchten aufzuräumen und seine Hilfe für eine sachgerechte Beurteilung der Situation anzubieten.

Das BKartA bedauerte verständlicherweise das Gerichtsurteil des BGH vom 12.06.2018 und dessen rein formale Begründung. Es vermisst in der Urteilsbegründung die inhaltliche Auseinandersetzung des BGHs mit der Thematik des gemeinsamen Holzverkaufes aus staatlichen und privaten Wäldern. Allerdings sieht sich das BKartA aufgrund des Urteils „derzeit nicht in der Lage, ein erneutes Verfahren gegen die vier bisher beklagten Bundesländer (Baden-Württemberg, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen) durchzuführen“, so Dr. Wagemann, man sei „bis auf Weiteres“ durch das BGH-Urteil „gebunden“.
Ein Bedrohungsszenario durch Bußgeldforderungen des BKartA gebe es definitiv nicht!

Allerdings gelten die grundsätzlichen Bedenken des BKartA gegen den gemeinsamen Verkauf von Holz aus dem Staatswald und dem Holz privater Waldbesitzern über 100 ha Betriebsgröße weiter. Der Beschluss des BKartA vom 29.01.2009 hatte diese Grenze noch bei 3000 ha festgeschrieben. Auf Nachfrage bestätigte das BKartA, dass die Forstbetriebs-gemeinschaft als ein gemeinsamer Betrieb gesehen würde, für die aus ihrer Sicht heute die Grenze von 100 ha ebenfalls gelte. Im Beschluss von 2009 waren dafür noch 8000 ha vorgesehen.
Ziel des Kartellamtes sei es, die privaten Zusammenschlüsse zu fördern, auch wenn diese Regelung natürlich zu Austritten von Einzelwaldbesitzern führen könnten, die aus Forstbetriebsgemeinschaften (FBG) austreten, um ihr Holz weiter vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW vermarkten lassen zu können.

Auf Nachfrage des BDF bestätigte das BKartA, dass alle Regeln des Kartellrechts natürlich grundsätzlich für den Verkauf von Nadel- und Laubholz gelten. Die Landesregierungen seien also bei der Regelung der zukünftigen Holzvermarktung gut beraten, dies zu bedenken.

In der wichtigen Frage der Geschwindigkeit der Umsetzung, der ihrer Sicht notwendigen Privatisierung des Holzverkaufs in NRW, zeigten sich das BKartA aber offen. „Es ist wichtiger eine funktionierende Holzvermarktung aufzubauen, als die Umstellung nur schnell voranzutreiben“ so Dr. Wagemann.

Einer regional angepassten, stufenweisen Umstellung über einen Zeitraum von mehreren Jahren, die der BDF vorschlug, wurde daher auch nicht widersprochen. Das gelte natürlich nicht dort, wo es schon bestehende Vermarktungssysteme gäbe und wäre auch kein Freibrief für Untätigkeit oder Verschleppung bei der Umstellung. In diesem Sinne befürwortete das BKartA auch den aktuellen Laubholzerlass und wartet auf einen entsprechende Regelung für das Nadelholz.

Hauptsache sei, man könne eine Bewegung in die richtige Richtung erkennen, dann sei die Geschwindigkeit zweitrangig, so das BKartA.
Es besteht also definitiv kein Zeitdruck, für eine überstürzte Umstellung der Holzvermarktung in großen Teilen des Landes NRW. Gleichwohl sieht auch der BDF NRW eine Notwendigkeit, sich weiter intensiv und zeitnah mit jeweils geeigneten Lösungen auseinanderzusetzen.

Nach Erläuterungen des BDF NRW sah das Kartellamt die Vorzeigung des Holzes zum Zweck der Güteklassenabstimmung – insbesondere beim Laubholz – als Teil der Holzlistenerstellung. Diese Tätigkeit kann also auch zukünftig durch den Revierförster von Wald und Holz NRW angeboten werden.
Auch bei der Frage der direkten Förderung der Betreuung sei es wichtig, eine Bewegung in die richtige Richtung erkennen zu können. Ziel sei es, einen Marktzugang für alle potenziellen Anbieter zu ermöglichen. „Die FBG als privater Verein kann aber selbst bestimmen, ob sie die Stelle ihres Beraters ausschreibt oder sich weiter vom bisherigen Anbieter betreuen lässt“, so Dr. Wagemann vom BKartA.

Es wurde vereinbart, zu weiteren offenen Fragen wieder in Kontakt zu treten.

Fazit:
Immer wieder betonte das Kartellamt die Eigenverantwortung des Landes für die Organisation von Holzverkauf und Betreuung des privaten Waldbesitzes. Solange erkennbar ist, dass keine kartellrechtswidrige Handlungsweise vorliegt und, dass keine privaten Anbieter von Dienstleistungen benachteiligt werden, hat das Land großen Spielraum in der Gestaltung.
Der derzeit aufgebaute Zeitdruck ist überflüssig und kontraproduktiv!

02.06.2018: Meldung des WBV: BGH-Urteil und Folgen

Bundesgerichtshof hebt Kartellentscheidung zum Holzverkauf auf

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat am 12. Juni den Beschluss des Kartellsenats des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf im Streit um die kooperative Holzvermarktung des Landes Baden-Württemberg aus verfahrensrechtlichen Gründen aufgehoben.

Bislang wurde dieser Beschluss nur in einer Pressemitteilung des BGH veröffentlicht, die Urteilsbegründung bleibt abzuwarten.

Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass der BGH nicht die Frage der kartellrechtlichen Zulässigkeit der kooperativen Holzvermarktung beurteilt hat. Vielmehr erklärt der BGH, dass eine Wiederaufnahme des Kartellverfahrens nach der im Jahr 2008 erklärten Verpflichtungszusage des Landes Baden-Württemberg nicht einfach wieder vom Bundeskartellamt aufgenommen werden durfte, nur weil der Kartellbehörde wesentliche Tatsachen, die ihr schon damals vorlagen, heute anders beurteilt. Eine Wiederaufnahme eines solchen Verfahrens ist nur bei Vorliegen besonderer Voraussetzungen möglich. Diese Voraussetzungen waren hier nicht gegeben, so der BGH.

Damit hat der BGH die Entscheidung des OLG aus formalen Gründen aufgehoben und sich nicht mehr damit beschäftigt, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang die kooperative Vermarktungspraxis des Landes Baden-Württemberg kartellrechtswidrig ist oder nicht.

Bundeskartellamt

Für das Bundeskartellamt entfaltet die Entscheidung des BGH eine so genannte Sperrwirkung für ein neues Verfahren, nicht nur gegen das Land Baden-Württemberg, sondern gegenüber allen Bundesländern, die in der Vergangenheit eine entsprechende Verpflichtungszusage analog zu Baden-Württemberg abgegeben haben. Dies betrifft die Länder Rheinland-Pfalz, Thüringen und Nordrhein-Westfalen. Allerdings ändert die BGH-Entscheidung nichts an der kartellrechtlichen Beurteilung der kooperativen Holzvermarktung. Ein Sprecher des Bundeskartellamtes erklärte kurz nach der Urteilsverkündung, dass die Entscheidung nichts daran ändere, dass die kooperative Holzvermarktung in Baden-Württemberg kartellrechtswidrig ist. Die Sperrwirkung gelte nur in der Sache für das Bundeskartellamt. Etwaige Zivilklagen auf Schadenersatz sind möglich und Meldungen zufolge bereits in Vorbereitung.

Reaktionen der betroffenen Länder

Das Land Baden-Württemberg begrüßte das Urteil, teilte jedoch gleichzeitig mit, dass die Reformbemühungen weitergeführt werden. Auch die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen erklärten, dass sie ihre Reformbemühungen unvermindert fortführen wollen.

Einhellig war die Einschätzung, dass sich durch die Entscheidung des BGH die Rechtslage nicht geändert hat, weil der BGH schließlich keine Entscheidung in der Sache getroffen hat.

Auch in Nordrhein-Westfalen erklärte sich das zuständige Ministerium entsprechend. In einem schriftlichen Bericht an den Landtag führte es aus, dass sich für das Land NRW keine neue Rechtslage ergeben hätte. “Insoweit bleiben die Rechtsgrundlagen des Kartell- und Beihilferechts in vollem Umfang wirksam. Dies gilt insbesondere für die Regelungen des § 46 BWaldG, der den Holzverkauf für Dritte durch das Land betrifft und die Notwendigkeit beinhaltet, Dienstleistungen diskriminierungsfrei anzubieten.”

Zur Frage nach Maßnahmen und Konsequenzen führt der Bericht aus:

“NRW setzt seinen Weg zur Schaffung kartellrechtskonformer Holzvermarktungsstrukturen fort… Die Entscheidung des BGH führt zu keiner Änderung der bereits beschlossenen und eingeleiteten Maßnahmen. Daher verfolgt das Umweltministerium weiterhin das grundsätzliche Ziel, die kooperative Holzvermarktung durch den Landesbetrieb Wald und Holz für den Privat- und Kommunalwald bis zum 1.1.2019 zu beenden. Außerdem wird das Ziel verfolgt, in Nordrhein-Westfalen weiterhin ein qualifiziertes forstliches Betreuungsangebot für den privaten und kommunalen Waldbesitz unter Beteiligung der Landesforstverwaltung vorzuhalten. Dies wird nur gegen Vollkosten möglich sein. Flankierend werden Richtlinien zur direkten Förderung der Betreuung des Waldbesitzes in Forstlichen Zusammenschlüssen vorbereitet. “

24.04.2018: Meldung des WBV NRW, Kartellverfahren beim BGH

Mündliche Verhandlung am Kartellsenat des Bundesgerichtshofs

Hintergrund:
Am 15. März 2017 hatte das Oberlandesgericht Düsseldorf (OLG) die Klage des Landes Baden-Württemberg gegen die Untersagungsverfügung des Bundeskartellamtes zurückgewiesen. Das OLG hatte die Untersagungsverfügung in Teilen aufgehoben und neu gefasst, jedoch alle wesentlichen Untersagungen der Kartellbehörde bestätigt. Gegen Teile dieses Urteils hat das Land Baden-Württemberg Rechtsbeschwerde beim Bundesgerichtshof (BGH)eingelegt. Der BGH hatte lediglich die richtige Anwendung und Auslegung des Rechts durch das OLG zu prüfen.
Strittig waren vor allem folgende Fragen:

Durfte das Bundeskartellamt das Verfahren im Jahr 2012 wieder aufnehmen, nachdem es eine im Jahr 2009 mit dem Land Baden-Württemberg ausgehandelte Selbstverpflichtungserklärung zur Schaffung von mehr Wettbewerb beim Holzverkauf für bindend erklärt hatte?
Sind die der Holzvermarktung vorgelagerten Forstdienstleistungen unternehmerische Tätigkeiten, die der Holzvermarktung zuzuordnen sind oder sind es im Wesentlichen Dienstleistungen zur Daseinsvorsorge mit Allgemeinwohlorientierung?
Ist zwischenstaatlicher Handel betroffen, so dass europäisches Wettbewerbsrecht anzuwenden ist?

Am 10. April wurden diese Rechtsfragen mit den widerstreitenden Parteien bei einer mündlichen Hauptverhandlung vor dem Kartellsenat des Bundesgerichtshofes erörtert. Unstrittig war das vom Bundeskartellamt in Baden-Württemberg festgestellte und untersagte Vertriebskartell bei der Vermarktung von Nadelstammholz. Bezüglich der erörterten strittigen Fragen war in der mündlichen Verhandlung keine Tendenz erkennbar, wohin die Entscheidung des BGH gehen wird.
Der Kartellsenat wird sein Urteil am 12. Juni verkünden.
(WBV Hessen)

Auswirkungen auf die Holzvermarktung und Beförsterung in NRW

Unabhängig davon, wie der BGH im Kartellstreit mit Baden-Württemberg urteilt, muss die Holzvermarktung privatwirtschaftlich aufgestellt werden. Schon aufgrund des 2017 eingeführten § 46 des Bundeswaldgesetzes muss auch die Beförsterung zu Vollkosten und diskriminierungsfrei angeboten werden und damit die derzeit indirekte Förderung der Beförsterungsleistungen in NRW beendet werden. Das bestätigte Staatssekretär Dr. Bottermann letzte Woche in einem persönlichen Gespräch dem Vorstand des Waldbauernverbandes. Daher werden die hierfür gebildeten Arbeitskreise auch unvermindert ihre Arbeit fortsetzen.

Mit freundlichen Grüßen
Ihr Waldbauernverband NRW e. V

27.02.2018: WBV Versammlung in Werl, Zukunft der Holzvermarktung in NRW….

Wird heute endlich Tacheles geredet???

Bild könnte enthalten: Text
Kein automatischer Alternativtext verfügbar.
Bild könnte enthalten: eine oder mehrere Personen und Innenbereich
Bild könnte enthalten: Text